Absinthe wird schon seit Jahrhunderten mit viel Hingabe von einer mehr oder minder großen Anhängerschaft, mit ebenfalls schwankender gesellschaftlicher Akzeptanz. Dennoch scheint diese bittere Spirituose, destilliert aus Wermut und Anis, anschließend versetzt mit einer Auswahl verschiedener anderer Kräuter, trotz zum Teil extremer Widerstände, welche auch das Verbot des Absinth Anfang des 20. Jahrhunderts durchsetzten, von nichts unterzukriegen sein, denn die eingefleischte Fangemeinde stand zu ihrem Lieblingsgetränk, folgte ihm in rechtliche Grauzonen oder gar die Illegalität, und war äußerst kreativ beim Versuch, den Absinth so zu tarnen, dass die Ordnungshüter ein Nachsehen hatten.
Einer der ersten Schritte hierzu war wahrscheinlich die Veränderung der Farbe, schließlich ist das matte grün, welches auf das vom Alkohol aus den Kräutern gelöste Chlorophyll zurückzuführen ist, doch recht einzigartig in der teils recht Farbenfrohen Familie der Spirituosen. Somit wurde klarer Absinth hergestellt, oder es wurden mit verschiedenen Zusätzen leuchtend blaue oder rote Getränke hergestellt, was natürlich leider auch den Geschmack des Getränkes nicht ganz unberührt ließ, schließlich konnte man einzelne Kräuter einfach nicht mehr verwenden.
Trotz des Verbotes geriet die “grüne Fee”, wie dieses Getränk auf liebevoll genannt wird, niemals in Vergessenheit, und inzwischen sind Verkauf, Besitz und natürlich auch der Genuss dieses geheimnisumwitterten Getränkes wieder erlaubt, wenn auch mit rechtlichen Auflagen, vor allem den Gehalt des halluzinogenen Thujon betreffend. Am besten kann man den Absinth bestellen, da im Einzelhandel meist nur eine sehr eingeschränkte Sortenvielfalt angeboten wird.
Wie sehr der Absinth früher in die Gesellschaft integriert war, zeigt unter anderem das Beispiel des Dichters Verlaine, der irgendwann dazu überging, die Menschen nicht mehr mit einer der üblichen Grußformeln wie “Guten Tag” zu begrüßen, sondern seinem Gegenüber “Ich trinke ihn mit Zucker!” entgegenwarf.

