Jun 06

Audi – vom Biedermeier zum Brandstifter

Tag: Auto
Jan Linnemann (tuning-fans[at]gmx.net) @ 6. Juni 2007 um 16:29 Uhr

Im Jahre 1909 gegründet und seit 1954 unter dem Dach des Volkswagen-Konzerns firmierend eilte den Ingolstädter Automobilbauern lange Zeit der zweifelhafte Ruf voraus, langweilige Limousinen für Hut-Träger herzustellen. Erst mit Motorsport-Erfolgen in der Rallyeweltmeisterschaft Anfang der 80er Jahre, die sie durch die Einführung des Vierradantriebs dominierten, machte sich ein Wandel in der öffentlichen Wahrnehmung bemerkbar. „Quattro“, wie der Allradantrieb bei Audi genannt wird, war nun ein Synonym für technischen Fortschritt und sportliche Fahrzeuge.

Diese Entwicklung setzte sich fort. „Vorsprung durch Technik“ lautete damals der Werbe-Slogan der Ingolstädter, den sie auch durch zahlreiche Innovationen stets aufs Neue unter Beweis stellten. Mit voll verzinkten Karosserien lösten sie das Rostproblem, mit dem zu damaligen Zeiten alle Hersteller zu kämpfen hatten. Schon früh erkannten sie die Bedeutung der Aerodynamik und stellten 1982 mit dem Audi 100 das Auto mit dem geringsten Luftwiderstandsbeiwert vor. Bei der Luxuslimousine Audi A8, 1994 präsentiert, kam zum ersten Mal der so genannte „Alu Space Frame“ zum Einsatz. Die erstmalige ausschließliche Verwendung von Aluminium im Karosserierohbau ermöglichte vor allem in dieser Fahrzeugklasse enorme Gewichtsersparnisse. Auch dem Dieselmotor, der in den 80ern noch den Ruf eines Traktorantriebs besaß, ebneten sie mit der Weiterentwicklung der Direkteinspritzung und der damit verbundenen Sparsamkeit bei gleichzeitiger Leistungsstärke den Weg selbst in gehobene Fahrzeugklassen. In heutigen Zeiten macht dieser Antrieb über alle Fahrzeugklassen und Hersteller hinweg den Großteil der Neuzulassungen aus.

Einen weiteren Trend setzten sie 1994 mit dem Audi RS2 Avant. Aus einer Kooperation mit Porsche entstanden fand dieser 315 PS starke Sportkombi, eine neue Fahrzeugklasse, schnell Nachahmer bei allen anderen deutschen Autoherstellern. Dieser sportliche Anspruch drückte sich auch in den 90er Jahren mit zahlreichen Erfolgen im Motorsport aus. Ob bei den Tourenwagen in der DTM oder dem legendären 24 Stunden Rennen von Le Mans, stets waren die Fahrzeuge mit den vier Ringen an der Front ganz vorne in den Ergebnislisten zu finden. Mit dem in diesem Jahr vorgestellten Supersportwagen Audi R8, Alukarosserie, Quattroantrieb und Benzindirekteinspritzung dokumentieren den technischen Fortschritt, setzen die Ingolstädter ihre Tradition fort und sind mittlerweile längst auf einer Augenhöhe mit den anderen deutschen Premiummarken Mercedes, BMW und Porsche.

Autor: Jan Linnemann
E-Mail: tuning-fans@gmx.net

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