Unter dem Kunsthandwerk des Drechselns versteht man die Spanabnahme von einem rotierenden Werkstück durch Gegenhalten eines Werkzeuges. Dabei können Auftragsarbeiten aus unterschiedlichsten Materialien wie Horn, Holz, Bernstein oder Elfenbein mit unterschiedlichen Profilierungen entstehen.
In der Geschichte des Hauptwerkzeuges des Drechslers steht die Fitzelbank an erster Stelle. Diese soll aus frühzeitlichen Feuer- oder Steinbohrern hervorgegangen sein. Dabei kann historisch nicht einwandfrei belegt werden, aus welcher Epoche dieses Werkzeug stammt. Es ist jedoch ziemlich sicher, dass sie in den Ländern des vorderen Orients entwickelt wurde.
Das Wirkprinzip der Fitzelbank ist einfach – eine um das beweglich gelagerte Werkstück geschlungene Schnur, die an beiden Enden um eine langen Stock befestigt wurde erzeugt durch hin- und herbewegen des Stabes zwangsläufig eine Drehbewegung, die aber im Wechsel gleich- und gegenläufig war. Bewundernswert ist die Geschicklichkeit des Drechslers, da eine Hand für die Erzeugung der Drehbewegung gebunden war und somit nur einhändig gedrechselt werden konnte.
Die Weiterentwicklung als Wippendrechselbank beruhte auf demselben Prinzip, nur wurde die Drehbewegung des Werkstückes jetzt durch die Füße erzeugt, sodass der Drechsler beide Hände zum Halten des Werkzeuges frei hatte.
Revolutionierend war die von Leonardo da Vinci entwickelte gekröpfte Welle, mit deren Hilfe eine geradlinige Bewegung in eine Drehbewegung gewandelt werden konnte, somit war eine immense Steigerung der Arbeitsproduktivität möglich, der Drechsler war jetzt in der Lage, sein Werkzeug ständig gegen das Holz zu halten.
Interessant ist, dass sich die Drechselbank im Aufbau über einen langen Zeitraum nicht veränderte – es wurde lediglich versucht, die Antriebskraft immer weiter zu verbessern.
Die kunstvolle Technik des Formens und Profilierens mit Meißel, Röhre und Schaber ist eine ganz besondere Fertigkeit, die viel Fingerspitzengefühl, Formempfinden, Werkstoffkenntnisse und Informationen über die Verarbeitungseigenschaften des Ausgangsmaterials erfordert. Daher ist es nicht verwunderlich, dass im Mittelalter die Vertreter der Drechselkunst zum gehobenen Stand gehörten.
In Innungen und Zünften gelangte das Drechseln zur vollsten Blüte, die später aber zur Fessel für eine Weiterentwicklung dieses Handwerks wurden. Mit fortschreitender Industrialisierung geriet das Handwerk in eine Notlage, die erst mit der Entwicklung von Automaten und fortschreitender Produktivität überwunden werden konnte.
Autor: Bernhard Heß
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