Okt 26
Dessous und ihr Feuer
Das Feuer der Dessousindustrie besteht in der Erwirtschaftung möglichst großer Profite. Darin unterscheidet sie sich nicht von anderen Zweigen.
Allerdings bekommt der Käufer von reizvoller Unterwäsche und Dessous mehr als beim Kauf von Bananen oder Küchengeräten. Am ehesten trifft hier wohl der Spruch zu: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“ Denn sexy Dessous sind ein Luxus, welcher der reinen Unterhaltung, meist des Mannes, dienen. Sie werden nur zu bestimmten erotischen Momenten angelegt und bezaubern kraft des innewohnenden Feuers die Sinne des Mannes. Edle Lingerie und Dessous sind zwar kein Zaubermittel mit denen ein Erfolg der Verführung garantiert werden könnte, doch sie bilden die Brücke in die sexuelle Phantasie des Mannes. Hier beginnt das atemberaubende Kleidungsstück zu wirken. Realität und Traum vermischen sich und entfachen die Begierde, von welcher die Frau profitiert. Vom reinen Profitgedanken ausgehend, gibt es demzufolge drei Profiteure von Dessousmode - der Mann, ganz ohne Zweifel, die Frau ebenso und die Shops, die Dessous anbieten.
Korsage, Strings, BHs und Tangas bilden nicht nur einen Blumenstrauß an Begrifflichkeiten für spezielle Miederware, sondern sie stellen spezialisierte Kleidungsstücke dar. Die unterschiedlichen Materialien erweitern das Angebot in eine weitere Dimension. Ein Latex Handschuh oder ein Seiden Slip können wiederum ganz unterschiedliche Assoziationen wecken und somit unterschiedliche Brandherde schüren. Korsage erinnert eben auch an Kurtisane in Frankreich im 19. Jh. So hat jedes Teil bestimmte Hintergründe oder Sinnreferenzen. Unterwäsche wird z.B. auch schnell als langweilig oder als Liebestöter bezeichnet. Dies ist vollkommen ungerechtfertigt, sagt es doch nur etwas über den Ort der Wäsche aus und nicht wie sie geartet ist. Was ist an dem Begriff Dessous anders? Ist es das französische? Wieso wird damit Sex, Sinnlichkeit und Prickeln verbunden? Im deutschen gibt es zwar auch einen Begriff – Reizwäsche, der dies ausdrücken soll. Er konnte sich anscheinend nicht durchsetzen. Eine Antwort wird man wohl nicht so schnell finden. Die Gesellschaft hat sich auf Dessous geeinigt und die Gründe bleiben im Dunkeln.
Autor: Frank Oehler
E-Mail: manbanatu[at]yahoo.de

