Wenn man einem Alkoholkranken die Möglichkeit gibt seine Lebensgeschichten zu erzählen, ist man oftmals überrascht, wie ungerecht deren Behandlung in vielen Fällen ist. Alkoholiker werden nicht nur diskriminiert und abgewertet, sondern auch zu Unrecht beschuldigt. Die Lebensgeschichten von Alkoholikern haben häufig sehr große Ähnlichkeiten, wobei sie sich gleichzeitig auch sehr voneinander unterscheiden können.
In vielen Lebensgeschichten von Alkoholkranken kommen Elemente von physischer und psychischer Gewalt und Unterdrückung vor. Diese werden entweder als Ursachen oder als begünstigende Faktoren bei der Entwicklung der Alkoholsucht dargestellt. Bei der näheren Auseinandersetzung mit verschiedenen Lebensgeschichten sieht man schnell, dass es eine ganze Reihe verschiedener Umstände und Erlebnisse braucht, damit sich überhaupt eine Alkoholsucht entwickeln kann. Viele dieser Umstände kann man selbst nicht beeinflussen.
Durch die Betrachtung von Lebensgeschichten kann man aber nicht nur die Ursachen für die Alkoholsucht herausfinden, sondern vor allem auch die Schutzfaktoren definieren, die man braucht, um eine drohende Alkoholsucht noch in den Griff bekommen zu können. Denn oftmals gibt es nur sehr kleine Unterschiede in den Lebensgeschichten von Alkoholkranken und Personen mit unauffälligen Trinkverhalten. Diese Unterschiede sind aber offensichtlich von so großer Bedeutung, dass sie vielleicht sogar eine Alkoholsucht verhindern können, bevor sie sich überhaupt entwickelt.
Wenn man jedoch schon der Trinksucht zum Opfer gefallen ist, können Lebensgeschichten von trockenen Trinken als Motivationsquelle dienen. Diese beweisen nämlich nicht nur, dass die Abstinenz im Bereich des Möglichen liegt, sondern sie schildern meistens auch sehr gut die positiven Effekte auf das Leben, die eine Abstinenz unweigerlich mit sich bringt. Natürlich haben nicht alle Lebensgeschichten ein „Happy End“, aber es wird schnell klar, dass es mit der richtigen Unterstützung möglich ist die Alkoholsucht zu bekämpfen. Und vielleicht werden einige dieser berührenden Lebensgeschichten von Alkoholikern dazu beitragen, dass die allgemeine Bevölkerung auch erkennt, dass der Alkoholiker selbst oft kaum Schuld an seiner gegenwärtigen Situation hat.

