Apr 08
Propriozeptives Training
Propriozeption
Bei der Propriozeption handelt es sich um einen Teilaspekt der Koordination, die auch als Tiefensensibilität bezeichnet wird. Beim Studium der aktuellen Literatur finden sich Hinweise, dass v.a. die Gleichgewichtsfähigkeit, die Anpassungsfähigkeit, die Reaktionsfähigkeit wie auch die Differenzierungsfähigkeit in diesem Zusammenhang eine wesentliche Bedeutung besitzen.
Propriozeptives Training zielt diesen Theorien folgend auf die Verbesserung der Tiefensensibilität ab, wobei die Wahrnehmung im Vordergrund steht. Sie zielt jedoch auch auf die reflektorische Muskelaktivität (bei passivem und aktivem Bewegen) sowie die Wiederherstellung und Stabilisierung von Gelenkstellungen.
Über Rezeptoren (Signalaufnehmer) werden die zahlreichen Informationen, die sekündlich auf uns niederprasseln, aufgenommen. Über die Nervenfasern werden diese Informationen zum ZNS (Zentrales Nervensystem) weitergeleitet und verarbeitet. Als Rezeptoren kennen wir derzeit 3 große Gruppen:
- Die Exterozeptoren
die wie Fühler eines Insektes die Reize von Außen (auf die Körperoberfläche) aufnehmen. Zu den Exterozeptoren gehören u.a. die Thermorezeptoren und Mechanorezeptoren
- Die Enterozeptoren
die uns Informationen aus dem Inneren des Körpers, bspw. den Organen, liefern. Sie bezeichnet man auch als Interozeptoren oder Viszerozeptoren. Hierzu zählt man die Schmerzrezeptoren, Dehnungsrezeptoren, Pressorezeptoren und Chemorezeptoren.
- Die Propriozeptoren
die uns Informationen über die Muskellänge, Sehnendehnung, Gelenkstellungen sowie Lage und Bewegung unseres Körpers liefern. Daher wird das Gleichgewichtsorgan des Körpers ebenfalls den Propriozeptoren zugeordnet.
Es geht vornehmlich um Übungen auf instabilen Untergründen, also etwa dem Aero-Step, dem Sitzball, auf Luftkissen (DYNAIR), Balancebretter, Therapiekreiseln, Wackelmatten, Flizzies, Stelzen, dem Trampolin uvm.
Beim Propriozeptiven Training wird zunächst einfach begonnen, wenn sich jedoch das Nervensystem an bestimmte Übungen gewöhnt hat, ist es sinnvoll, den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen, d.h. den Bewegungsablauf bzw. das Bewegungsmuster zu stören. Dies geschieht etwa durch die Reduzierung der Auflagefläche (eines Körperteils, des Körpers als ganzem oder eines Gerätes) sowie durch Hinzufügen von weiteren koordinativen Aufgaben wie bspw. Balancieren und Jonglieren, Balancieren und Werfen oder Hüpfen mit Störungen von außen.
Die Trainierbarkeit der Propriozeptoren ist noch weitgehend unerforscht – nur die Funktionsweise und Anpassungen unseres Nervensystems sind bekannt. Als Anpassungserscheinungen findet man daher
- eine verbesserte Vernetzung und Kontakte bestimmter Gehirnareale;
- eine verbesserte Leitfähigkeit der Nerven durch eine „wachsende“ Myelinschicht (Isolierschicht der Nerven, die jene Nervenfortsätze, die zur Weiterleitung der Nervenimpulse dienen, spiralförmig umgibt);
- eine Erhöhung der Fläche des synaptischen Kontaktes sowie;
- die Arbeitsteilung von Synapsen, indem wenig benutzte Synapsen viel benutze Synapsen unterstützen.
(Synapsen sind Kontaktstellen zwischen Nervenzellen bzw. Nervenzellen und anderen Zellen)
Als Ziel lässt sich formulieren: durch Propriozeptives Training gelangt unser Körper in die Lage, kompetenter und besser zu reagieren.










