Jul 20
So umgehen Sie die Abgeltungssteuer 2009
Vor knapp zwei Wochen, mit der Absegnung der Unternehmenssteuerreform des Bundesrates hat die Abgeltungssteuer nun noch die letzte Hürde genommen. Nach dem 31.12.2008 erfolgt die Besteuerung der Anleger pauschal mit 25% plus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer.
Erstaunlich wie schnell dieses Gesetz durchgeboxt wurde, vor allem da ein Grossteil der Bevölkerung zu den Verlierern gehören wird. Im Sommer 2006, das Land steckte im Fußballfieber, machte sich die Regierung an die Ausarbeitung der Unternehmenssteuerreform, zu der auch die Abgeltungssteuer 2009 gehört. Ziel war es, das deutsche Steuer(un)wesen zu vereinfachen. Heute wissen wir, das Ziel wurde um Weiten verfehlt.
Was ändert sich
Nach dem neuen Gesetz werden die gesamten Erträge aus allen Kapitalanlagen und die Gewinne privater Veräußerungsgeschäfte mit 25% plus Kirchensteuer und Soli, gesamt gut 28%, besteuert. Investmenterträge, Zinsen, Zertifikate, Dividenden, Kursgewinne - alle fallen unter die neue Abgeltungssteuer 2009. Selbst vor den Erträgen aus dem gebildeten Vermögen zur Altersvorsorge oder Eigenheimerwerb schreckt der Finanzminister nicht zurück.
Schmerzlich aus Anlegersicht ist auch der Wegfall der Veräußerungsfrist, besonders langfristig orientierte Anleger wird dies wehtun. Waren bis jetzt Kursgewinne nach einem Jahr steuerfrei, werden sie neu zu jederzeit mit der vollen Abgeltungssteuer belastet.
Es kommt noch schlimmer, auch das Halbeinkünfteverfahren wird abgeschafft. Danach wurden bis anhin nur die Hälfte der Dividenden mit dem persönlichen Steuersatz besteuert. Es ist leicht erkennbar, dass hier alle draufzahlen werden.
So erfolgt die Umsetzung
Die Abgeltungssteuer soll von den Banken direkt abgeführt werden. Die Bank ermittelt, wie hoch die Dividenden und Zins- bzw. Kurs-Gewinne sind, berücksichtigt dabei auch etwaige Verluste und führt die einbehaltene Steuer direkt an das Finanzamt ab.
Wenn Sie ihr Vermögen bei mehreren Banken haben, müssen diese sich untereinander austauschen, das Sie bei zeitgleichen Gewinnen und Verlusten, die Verluste gegen die Gewinne verrechnen können, wodurch Sie bereits unnötige Abgeltungssteuer vermeiden können.
Zukünftig werden Sie auch von ihrer Bank nach der Religionszugehörigkeit gefragt werden, da auch die Kirchensteuer direkt berechnet und abgeführt wird.
Jetzt handeln und Vermögen vor der Abgeltungssteuer schützen
Zum Glück bleibt noch Zeit um Verlust von Vermögen durch Abgeltungssteuer zu verhindern. Hier kann der Anleger u.a. zwei grundsätzliche Strategien anwenden:
* Altes Recht konservieren: Wird die Geldanlage z.B. Aktien noch vor Ende 2008 gekauft, kann das alte Recht auf unbestimmte Zeit konserviert werden. So weit so gut, mit der ersten steuerfreien Entnahme, der ersten Realisierung eines Gewinns, verfällt dieses alte Recht und für alle zukünftigen Entnahmen ist die Abgeltungssteuer zu bezahlen.
Darin liegt auch das Problem dieser Strategie, der Anleger, will er die Abgeltungssteuer umgehen, wird zum Stillhalten verdammt. Darf man selber um den Steuerschutz nicht zu zerstören nicht handeln, sollte mindestens die Geldanlage so flexibel wie möglich sein.
* Neue Chancen nutzen: die Bank- und Zertifikateindustrie arbeitet auf Hochtouren an Lösungen zur Vermeidung der Abgeltungssteuer 2009. Bereits steht eine breite Palette an speziellen Abwehrmaßnahmen gegen die Abgeltungssteuer bereit. So ist für jede Vermögensgröße etwas dabei:
Mit Fonds, Dachfonds und speziellen Varianten wie den Lebenszyklusfonds kann die Abgeltungssteuer umgangen werden. Innerhalb des Fonds darf nach belieben Aktien gekauft und verkauft werden, für den Privatanleger hätte dies bereits Abgeltungssteuern zur Folge.
Eine weitere Möglichkeit bietet der Versicherungsmantel. Die eigentliche Geldanlage wird als Prämie in eine Lebens- oder Rentenversicherung eingebracht. Für den Fiskus ist nur noch die Versicherung sichtbar und es erfolgt eine vorteilhafte steuerliche Behandlung.
Bei der Auswahl der richtigen Geldanlage, egal für welchen Geldbeutel, muss vor allem auf die persönliche Risikobereitschaft geachtet werden. Die zentrale Frage vor jeder Investition lautet:„Wie viel Risiko bin ich für meine Wunschrendite bereit einzugehen?“
Johannes Burri johannesburri(at)aol.de










