Nov 16

Welche Rolle spielt das Baurecht für die Bauwirtschaft?

Tag: Recht
Eckhard Frikell (admin[at]vob-buecher.de) @ 16. November 2007 um 23:33 Uhr

Die Bauwirtschaft, hierzu zählen die bauausführenden Firmen, die Generalunternehmer und Bauträger und im weiteren Sinn auch Architekten und Ingenieure haben meist zumindest kein eigentliches Interesse am Baurecht.
Diese Materie betrachten sie verständlicherweise mehr als notwendiges Übel, das bei der Realisierung ihrer baulichen Vorhaben eher hinderlich ist.
Trotzdem kann niemand, der sich mit der Realisierung von Bauten beschäftigt, ignorieren, dass die Beachtung baurechtlicher Bestimmungen ganz entscheidend für den Erfolg oder Misserfolg ihrer Vorhaben ist. Deshalb müssen sie sich, ob sie wollen oder nicht, mir dieser Materie beschäftigen.
Dies ist allerdings leichter gesagt, als getan. Denn das weite Spektrum baurechtlicher Regelungen ist hoch kompliziert, unübersichtlich und teilweise sehr schwer für jemanden verständlich, der eigentlich ganz andere Dinge gelernt hat und der sich auch für ganz andere Dinge, nämlich die baulichen, interessiert.
Trotzdem zeigt sich immer wieder, dass gerade im Bereich des Baurechts wichtige Weichen gestellt werden. Wer in diesem Bereich entscheidende Fehler macht, kann diese auch mit noch so guten technischen Leistungen nicht kompensieren. Denn solche Fehler können ganz schnell zu gewaltigen Verlusten, zu Schadensersatzansprüchen und unnötigen Aufwendungen führen, die manchmal in ihrer Auswirkung höher als die gesamte ursprüngliche Auftragssumme sind.
Das Hauptproblem hierbei ist die Tatsache, dass die Juristen immer erst dann eingeschaltet werden, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Aber dies lässt sich kaum vermeiden.
Denn viele Entscheidungen müssen vor Ort getroffen werden, oft ohne Gelegenheit, lange über die juristischen Auswirkungen nachzudenken. Es kann sich auch kaum jemand leisten, bei seiner Tätigkeit immer einen Baujuristen als Berater neben sich zu haben, abgesehen davon, dass dies auch völlig unpraktikabel oder auch als lächerlich empfunden würde.
Deshalb bleibt den Bauleuten gar nichts anderes übrig, als sich laufend zumindest mit den wichtigsten Entwicklungen des Baurechts zu beschäftigen. Nur so können sie die genannten negativen Auswirkungen vermeiden. Wichtig ist hierbei vor allem, dass sich die Praktiker Fortbildungsveranstaltungen und Baurechtsliteratur suchen, die die speziellen Probleme der Praxis ansprechen und die auch eine Sprache benutzen, die ein „Baumensch“ verstehen kann. Entscheidend ist hierbei auch, dass sich solche Schulungsangebote auf das Wesentliche konzentrieren, also auf diejenigen Dinge, die gravierende Auswirkungen für die Praxis haben und die später nicht mehr „repariert“ werden können.

RA E. Frikell

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